Sa
11
Jul
2009
Häufige Rechtschreibfehler und wie es richtig geht
Wenn ich Werke von Hobbyautoren lese, stoße ich irgendwie immer wieder auf die selben Rechtschreibfehler.
Sehr beliebt sind offenbar:
- Das "Dass oder Das??"- Problem
- Falsche Zeitformen (Tempusfehler)
- Kommafehler
- Indirekte Rede
Damit dir, liebe/r Leser/in, solche Fehler nicht mehr passieren, hier meine Vermeidungsvorschläge:
Die Frage "Dass oder Das??" lässt sich im Grunde leicht beantworten.
"Dass" ist eine Konjunktion und leitet einen Nebensatz ein.
Zum Beispiel::
Ich merke, dass du das Wort "Konjunktion" nicht magst, auf Deutsch heißt es "Bindewort".
"Das" ist ein Artikel (Begleiter) und bezieht sich auf ein Substantiv (Hauptwort, Namenwort) im Satz.
Zum Beispiel:
Konjunktion nicht mit Konjugation verwechseln, das ist nämlich
Bakteriensex."
Eine einfache und kurze Regel zum Merken:
Was sich durch die Wörter "welches", "jenes" oder "dieses" ersetzen lässt, ist ein "Das" mit einem "s".
Für "Dass" kann man keinen anderen Artikel einsetzen.
Nun zur Ausradierung von falschen Zeitformen!
Bevor du etwas verfasst, entscheide zuerst, ob du generell im Präsens (in der Gegenwart) oder im Präteritum (in der Vergangenheit) schreiben willst. Für Geschichten und für alles in der Art ist normalerweise Letzteres üblich.
Hast du dich einmal für eine Zeitform festgelegt, und das musst du tun, dann bleibe dabei!
Gefahr, durcheinander zu kommen, besteht anscheinend, wenn du in deinem Text etwas erzählst, das noch vor der eigentlichen Handlung passiert ist.
Schreibst du allgemein im Präteritum, benutzt du das Plusquamperfekt (Vorvergangenheit), um auszudrücken, was noch weiter zurückliegt, als das wesentliche Geschehen.
Beispiel:
Ich nahm Steinchen mit ins Kino, denn bei meinem letzten
Besuch hatte man mich mit Popcorn beworfen.
Schreibst du allgemein im Präsens, verwendest du dafür das Perfekt.
Beispiel:
Mein Bruder trinkt schon wieder Alkohol, dabei hat er sich gestern noch über seine unreine Haut geärgert.
Sei beim Schreiben konzentriert und lese hinterher noch mal alles genau durch. Dann dürften solche Fehler dich und deine Schriftstücke von nun an nicht mehr heimsuchen.
Auch nicht unumgänglich: Kommafehler!
Bei Aufzählungen Kommas setzen.
Beispiel:
Der dicke, fette, gestreifte Kater wälzt sich auf dem Sofa.
Aber:
Die neue persische Katze von nebenan spannt ihm alle Essensspender aus.
Kein Komma zwischen neu und persisische, denn persische Katze ist ein zusammenhängender Begriff, der durch neu näher beschrieben wird.
Ebenfalls kein Komma setzen, wenn die Teile der Aufzählung durch
und, oder, entweder oder, sowie oder sowohl als auch
verbunden sind.
Beispiel:
Ein Perserteppich ist hübsch und luxuriös sowie wertvoll.
Setze Kommas nach Anreden und Begrüßungungen.
Beispiel:
Guten Morgen, sehr geehrter Herr Eisenbeiß, habe ich bis übermorgen meine Schrauben nicht erhalten, können Sie sie fressen.
Setze Kommas bei ergänzenden Aussagen.
Beispiel:
Hannelore, die Frau mit der Warze, biss herzhaft zu.
Termin- und Ortsangaben mit Komma gliedern.
Beispiel:
Komm am Donnerstag, 06.06.06 um 24:00 zum Satanistentreffpunkt in Mephistostadt, Friedhofsstraße 6.
Literaturangaben genauso gliedern.
Beispiel:
Ich habe diese Information in Ihrem Katalog, Ausgabe 2/1678, Seite 5 aufgeschnappt.
Obacht: Beim Zitieren von Gesetzen, Verordnungen und Verträgen keine Kommas setzen.
Beispiel:
Laut den §§ 937-945 BGB gehört der Stuhl jetzt mir, weil er zehn Jahre lang in meinem Garten stand.
Kommas bei Infinitivgruppen:
Infinitiv: Zitierform des Verbs (Tunwortes), typische Endung: -en
Infinitivgruppe: Erweiterter Infinitiv, meist mit "zu" gebildet
(Keine Panik, du siehst gleich, was gemeint ist.)
Trenne Infinitivgruppen mittels Komma ab, um herauszustellen, wie etwas verstanden werden soll.
Beispiel:
Ich rate dir, zuzuhören.
Ich rate, dir zuzuhören.
Trenne die Infinitivgruppen außerdem mit einem Komma ab, wenn sie mit ohne, um, anstatt, als, außer... eingeleitet werden.
Beispiel:
Anstatt andauernd neue Schuhe zu kaufen, sollte sich meine Freundin lieber heiße Dessous anschaffen.
Segmentiere sie außerdem, wenn sie von einem Substantiv oder einem hinweisenden Wort (dazu, dafür, dagegen, daneben...) abhängig sind.
Beispiele:
Gebunden an ein Substantiv:
Deine Idee, den Reisnagel auf dem Stuhl unseres Lehrers zu platzieren, kann ich nur gut heißen.
Gebunden an ein hinweisendes Wort:
Ich bin dafür, zudem das Stuhlbein anzusägen.
Bei Ausrufen, Bitten, Kommentaren, Flüchen, Drohungen... Kommas setzen.
Beispiele:
"Au Weia, jetzt fällts mir wie Schuppen aus den Haaren!"
"Herr Gott, schon wieder Montag!"
Selbstständige Teilsätze durch Kommas (oder Punkte) abtrennen.
Beispiele:
Er schleppte den Topf ins Bad, kippte den verdorbenen Brei ins Klo, dann spülte er kräftig.
Er schleppte den Topf ins Bad. Er kippte den verdorbenen Brei ins Klo. Dann spülte er kräftig.
Sind die selbstständigen Teilsätze mit und/oder verbunden, kann man Kommas setzten, oder auch nicht, wie man lustig ist.
Eingeschobene, selbstständige Teilsätze verlangen aber nach Kommas.
Beispiel:
Ich habe, daran kann ich mich noch ganz genau erinnern, gestern und vorgestern die Pille vergessen.
Haupt- und Nebensätze durch Kommas trennen.
Beispiel:
Ich finde es scheiße, dass ich Katzenscheiße mit dem Fuß an die Kupplung geschmiert habe.
Gleichrangige Nebensätze mit Kommas abtrennen:
Falls du Single bist, falls du Zeit hast, falls du Lust hast, falls du das mit der Lust nicht falsch verstanden hast, wollen wir heute Abend was zusammen machen?
Indirekte Rede
Hier noch die letzte und gemeinste Fehlerquelle und wie du sie gekonnt ins Nirvana schickst.
Üblicherweise bildet man die indirekte Rede mit dem Konjunktiv l (Möglichkeitsform l).
Aber auch Indikativ (Normalmodus des Verbs bzw. des Tunworts),
Konjunktiv ll oder Formen mit "würde" sind richtig.
Es ist meist mehr eine Frage des Stils als der der Grammatik.
Konjunktiv l ist praktisch immer richtig.
Beispiel:
Direkte Rede:
Er sagt/e zu ihr: "Du bist zu dick." (Indikativ)
Indirekte Rede:
Er sagte zu ihr, sie sei zu dick. (Konjunktiv l)
Wenn Konjunktiv l und Indikativ jedoch formgleich sind, ist es stilistisch besser, den Konjuktiv ll oder die Form mit "würde" zu benutzen.
Beispiel:
Direkte Rede:
Sie sagt/e: "Ich habe Hunger." (Indikativ)
Indirekte Rede:
Sie sagt/e, sie habe Hunger. (Konjunktiv l = Indikativ)
Sie sagt/e, sie hätte Hunger. (Konjunktiv ll)
Sie sagt/e, sie würde Hunger haben. (würde-Form)
Sie sagt/e, sie hat Hunger. (Indikativ, umgangssprachlich)
Außerdem möglich:
Nebensätze mit "dass" verwenden, um indirekte Rede auszudrücken.
Beispiel:
Direkte Rede:
Sie denkt/dachte: "Nie lädt er mich zum Essen ein."
Indirekte Rede:
Sie denkt/dachte, dass er sie nie zum Essen einläd. (Indikativ, umgangssprachlich)
Sie denkt/dachte, dass er sie nie zum Essen einlade. (Konjunktiv l)
Sie denkt/dachte, dass er sie nie zum Essen einladen würde. (würde-Form)
Sie denkt/dachte, dass er sie nie zum Essen einlüde. (Konjunktiv ll)
Hier klingt der Konjunktiv ll sehr geschwollen. Beinhaltet eine Form in der indirekten Rede ä,ü,ö ist es stilistisch besser, die indirekte Rede auf eine andere Art zu bilden.
Noch wichtig:
Frage- und Ausrufezeichen tauchen in der indirekten Rede nicht auf.
Umwandlung aller Pronomen (Fürwörter) auf die dritte Person bzw. auf die Origo (Ursprung, Herkunft) des Erzählers.
Beispiel:
Direkte Rede:
Er fragt/e: "Willst du nicht etwas abnehmen?"
Indirekte Rede:
Er fragt/e, ob sie/ich (je nach Perspektive) nicht etwas abnehmen wolle. (Konjunktiv l)
Steht in der direkten Rede der Konjunktiv II, wird dieser auch in der indirekten Rede belassen.
Beispiel:
Direkte Rede:
Er sagte: „Wie schön wäre es doch, wenn es wirklich einmal geschähe.“
Indirekte Rede:
Er sagte, wie schön es doch wäre, wenn es wirklich einmal geschähe.
Bist du dir mit einer Verbform (wie dem Konjunktiv) nicht sicher, geb das Verb einfach auf dieser Seite ein: http://verben.woxikon.de/.
Soo, das wars dann mit meinem Artikel zur Verbesserung der Rechtschreibung.
Ich hoffe, er war nützlich, interessant und auch ein bisschen unterhaltsam für dich.
