So

12

Jul

2009

Kleine Anleitung zum Verfassen einer Geschichte/eines Romans

Wen du Anregungen suchst, wie man eine Geschichte oder einen Roman 

schreibt, bist du hier richtig.

 

Zu allererst:

Sei dir bewusst, dass man für eine längere Geschichte/für einen Roman viel Ausdauer und Motivation braucht. Es sollte außerdem immer erst die Idee für das Werk da sein und dann der Beschluss, alles in Worte zu fassen. Andersherum wirst du länger brauchen und viel eher dazu tendieren, die Lust zu verlieren.

Das neu entstehende Werk stückchenweise einer kleinen Leserschaft zugänglich zu machen, stellt einen großen Ansporn für den/die Autor/in dar.

Hast du finanzielle Interessen, musst du jedoch dabei aufpassen, dass dein geistiges Eigentum nicht geklaut wird. Dem gesamten world wide web würde ich es erstmal vorenthalten.

 

Vorbereitungen

Bevor du mit dem eigentlichen Schreiben/Tippen anfängst, solltest du dir erst mal verschiedene Dinge überlegen. Leg dir dafür auch Papier und Stift bereit.

Um deine Geschichte beginnen zu können, brauchst du zunächst eine Art Grundgerüst. Es muss noch lange nicht komplett ausgefeilt sein, aber ohne ein paar grundlegende Informationen ist es praktisch unmöglich, eine gute Geschichte zu schreiben. 

Entscheide dich für das Genre deines Werkes: Actionkomödie, Romanze, Science Fiction, was auch immer. Natürlich sind auch Mischformen (und später evtl. Änderungen) möglich.

 

Notiere die Grundbausteine der Handlung, alles, was dir bis jetzt zur Story deiner Geschichte im Kopf rumgespukt ist und was du davon umsetzen willst.

Deine Vorstellungen von der Handlung können ruhig löchrig sein, der Großteil davon wird dir sowieso spontan beim Schreiben einfallen.

Es ist immer so, dass man sich als Schreiber die Geschichte auch mindestens zur Hälfte selbst erzählt.

Hast du schon ein Ende parat, notiere es dir, sodass du gezielt darauf hin arbeiten kannst. Bist du dir beim Ende noch unschlüssig, warte, bis dir die passende Idee kommt. Du wirst dich ja eine ganze Weile mit der Geschichte befassen.

Vom Muster her kannst du nach der klassischen Einleitung, Hauptteil mit Höhepunkt, Schluss - Methode vorgehen. Du kannst aber auch ganz frei schreiben, den Leser in die Handlung hineinwerfen und das Ende offen lassen, wie es in vielen modernen Werken der Fall ist.

 

Sehr wichtig ist es, sich über die Charaktere und ihre Eigenheiten schon im Voraus Gedanken zu machen. Hierzu kannst du sog. Charakterblätter erstellen, in etwa so:

 

Name: Berta Beispiel

Alter: 34

Aussehen: Schwarze, lange, glatte Haare, blaue Augen, mollig, 1,65m groß, topmodische Klamotten...

Lebensraum/Lebensumstände: Lebt alleine in 2-Zimmerwohnung im Stadtviertel Musterghetto, Haus an Haus mit Kriminellen...

Familienstatus: Ledig, erledigt

Charakter: Offen, ehrlich, naiv, feierlustig, faul, telefoniert viel, kocht gut...

 

Viele Ergänzungen und vielleicht kleine Änderungen werden sich während der weiteren Entstehung der Geschichte von selbst ergeben.

Wichtig: Die Charaktere (zumindest die Hauptcharaktere) brauchen Ecken und Kanten, sonst öden sie den Leser und dich selber irgendwann an. Pass unbedingt auf, dass sie dir nicht zu perfekt und nicht zu normal geraten.

Ein runder Charakter hat Macken, Schwächen, Fehler, die in der Geschichte auch erwähnt werden.

Alles andere sind flache Charaktere, die umso unrealistischer Wirken, je mehr man von ihnen erzählt.

 

Außerdem musst du dir über die Erzählperspektive klar werden.

Es gibt da z.B. den allwissenden/auktorialen Erzähler.

Allwissende Erzähler können jedem Charakter in den Kopf gucken und den Leser stark lenken, sogar direkt ansprechen. Sie erinnern aber an Märchen und Kinderbücher.

Beispiel:

Willkommen bei Kapitel 2, lieber Leser. Xaxa, das niedliche Meerschwein, welches ich dir schon am Anfang von Kapitel 1 vorgestellt hatte, lag wie jede Nacht in seinem Käfig und schlief friedlich. Timmy, der ihm vor einer halben Stunde noch ein fettes Apfelstück in den Käfig getan hatte, konnte im Zimmer nebenan nicht zur Ruhe finden. Die Fellkrankheit seines geliebten Xaxa beschäftigte ihn zu sehr...

Typisch für die Moderne ist der Ich-Erzähler.

Er erzählt die Handlung subjektiv und hat nur eine begrenzte Perspektive. Es können nur Gefühle und Gedanken des Ich-Erzählers beschrieben werden. Alles andere muss aus dessen Kommentaren und Interpretationen erschlossen werden.

Der Vorteil des Ich-Erzählers sind, dass eine starke Identifikation des Lesers mit der Hauptperson erreicht wird.

Beispiel:

Sehr besorgt stand ich noch einmal auf, um mitten in der Nacht aufs Klo zu gehen. Der arme Xaxa. Er tat mir so leid. Er hatte bestimmt schreckliche Schmerzen. Mein Bruder konnte anscheinend auch nicht pennen vor lauter Sorge: In seinem Zimmer brannte noch Licht.

Es besteht auch die Möglichkeit, mehrere Ich-Erzähler in einer Geschichte zu benutzen, die sich immer gegenseitig abwechseln und vorher vom Autor angekündigt werden. Hier besteht aber die Gefahr, dass der Leser verwirrt und dauernd im Lesefluss unterbrochen wird.

Der dritte und letzte Erzähler ist der personale Erzähler. 

Seine Anwesenheit wird dem Leser gar nicht bewusst. Es wird aus der Sicht einer bestimmten Person geschrieben, jedoch immer in der 3.Person (er/sie/es) und nicht wie beim Ich-Erzähler in der 1.Person. Der personale Erzähler kann allwissend sein oder auch nur eine begrenzte Perspektive haben, wie es dir passt. Er redet aber niemals mit dem Leser, wie es der auktoriale Erzähler tut.

Der Personale Erzähler eignet sich sehr gut für deine Geschichte, doch es braucht etwas Übung, um gelungen von der Sicht des einen Charakters zu der der anderen überzuspringen.

Beispiel:

Knarzend begab sich der Vater die Treppe hinunter, um nach dem Rechten zu sehen. Dabei hörte er seinen ältesten Sohn, den es nachts oft in den Fingern juckte, den Lichtschalter umlegen, sodass kein verräterisches Licht mehr in den Flur fiel. Sein jüngster Sohn Timmy verließ gerade das Bad wieder, nickte dem Vater zu und warf noch einen betrübten Blick in Richtung Xaxas Käfig.

Welcher Erzähler nun der richtige für deine Geschichte ist, musst du selbst entscheiden. Ich persönlich benutze am liebsten den Ich-Erzähler. Der geht mir so leicht von der Hand ^^

  

Während des Schreibens

Wenn du mit dem Verfassen deiner Geschichte beginnst, stelle die Charaktere nicht allzu schnell mit ihren sämtlichen Facetten vor. Das darf ruhig etwas dauern. Der Leser langweilt sich, wenn er gleich alle Fakten auf einmal aufgelistet bekommt. Er möchte die Personen im Laufe der Handlung immer besser kennenlernen.

 

Benutze Zeitsprünge, um zu verdeutlichen, was in der Vergangenheit geschehen ist und nicht, weil dir gerade kein Übergang zum nächsten Handlungsabschnitt einfällt.

Fehlt dir eine Idee, lege die Geschichte für eine kleine Weile zur Seite.

Oder schreib schon mal, was nach dem "Loch" geschieht. Vielleicht kommt dir dabei eine Inspiration für die Verknüpfungsszene.

 

Versuche immer, die Geschichte realistisch zu gestalten.

Auch Science Fiction etc. kann realistisch sein, durch eine durchdachte (Hintergrund-)Story und auf der zwischenmenschlichen Ebene.

Realistische Geschichten gefallen dem Leser, weil er sich dann selbst hineinversetzen kann.

Und Realität ist absolut nicht zwangsläufig langweilig! Treffend beschrieben fesselt sie den Leser.

 

Besonders gut: Unerwartete, aber dennoch realistische Wendungen, Überraschungen überhaupt. Versuche, so zu schreiben, dass möglichst selten das eintritt, was der Leser erwartet.

Wirf außerdem ständig Fragen auf und lasse Dinge unbeantwortet, sodass deiner Geschichte gewisse Puzzleteile fehlen. 

Das erzeugt Spannung, ebenso wie die Kehrseite: Foreshadowing, Andeutungen, was noch passieren wird.

Beispiel:

Hätte ich vorher gewusst, was an diesem Tag noch auf mich zukommen sollte, wäre ich im Bett geblieben...

Benutze böse Omen, beschreibe süße Träume, Fantasien oder auch Alpträume der Charaktere, stelle die Umgebung bewusst düster oder hell dar... lass den Leser ahnen, wo du ihn letztendlich hinführst, da steht er drauf.

 

Der Leser will neugierig gemacht und zum Schluss davon erlöst werden.

Ein klassischer, toller Schluss fügt die Geschichte zu einem fertigen Puzzle, zu einem schönen Gesamtbild zusammen. Alle Unklarheiten werden beseitigt, die Spannung löst sich auf faszinierende Art und Weise auf.

Ein offenes Ende regt zum Nachdenken an, sorgt dafür, dass sich der Leser mit der Geschichte und ihrer Thematik auch nach dem Lesen befasst. 

Die Spannung muss zum Schluss der Geschichte aber trotzdem herausgenommen werden. Ein offenes Ende beantwortet alle bisher offenen Fragen und wirft gleichzeitig neue auf.  

 

Und auch mit meinem Artikel bin ich nun am Ende.

Möchtest du noch mehr Tipps und Tricks bekommen, lies Werke von guten Autoren auch zwischen den Zeilen und entdecke die Möglichkeiten : )

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12 Kommentare

  • #1

    Lana (Sonntag, 20 Dezember 2009 16:41)

    Dankeschön, das sind echt supert Tipps :)
    LG

  • #2

    Isabel (Montag, 18 Januar 2010 15:00)

    Echt schön geschrieben. Ich bin gerade beim Erfassen meines Romans und die kleine Anleitung hilft ungemein. Danke :-)
    Liebe Grüße

  • JimdoPro
    #3

    Gabriela Bieber (Montag, 18 Januar 2010 15:07)

    Gern geschehen, viel Erfolg und Spaß! :)

  • #4

    Dajana (Montag, 15 Februar 2010 16:28)

    Bin gerade bei meinem 2. Roman und ich stelle
    fest, dass ich beim 1. Roman vieles richtig
    gemacht habe und auch zufrieden damit bin, jedoch
    beim 2. Roman fehlen mir die zündenden Sätze.
    Schreibblockade? Grüße Dajana

  • JimdoPro
    #5

    Gabriela Bieber (Montag, 15 Februar 2010 16:31)

    wenns eine schreibblockade ist, mach einfach mal eine weile was ganz anderes, das hilft (mir). lg!

  • #6

    Tina (Freitag, 26 Februar 2010 00:56)

    Hallo, vielen Dank für die Tipps. Anmerken möchte ich jedoch, dass der Imperativ der 2. Person Singular von werfen "wirf" und nicht "werfe" lautet. Nichts für ungut.

  • #7

    Tina (Freitag, 26 Februar 2010 00:58)

    So verhält es sich auch mit dem Verb lesen. "Lies" und nicht "lese".

  • JimdoPro
    #8

    Gabriela Bieber (Freitag, 26 Februar 2010 16:41)

    Hi Tina, danke für den Hinweis. Stimmt, das ist Umgangssprache gewesen. Ich habs geändert. Lg

  • #9

    Unbekannt ;) (Freitag, 19 März 2010 19:50)

    Hey!
    Ich bin total überwältigt von deiner seite :)
    Wirklich eine große Hilfe. Danke!
    Ich möchte ein Buch über mich schreiben, aber weil das alles sehr persönlich ist, möchte ich unbekannt bleiben. Denkst du das wäre möglich? Liebe Grüße

  • #10

    M.V. (Dienstag, 11 Mai 2010 15:46)

    Wie bringt man am besten die Gedanken einer Person zum Ausdruck, ich schreibe immer aus der Sicht der jeweiligen Charaktere und weiß nie wie ich die Gedanken hinschreiben soll, soll ich Gedanken so wie die direkte Rede schreiben oder einfach nur durch Beistrich einleiten???

  • #11

    Dieter (Dienstag, 24 August 2010 08:58)

    Eine wirklich gute Anleitung! Werde sie mal als Link in mein Portal lesekritik.de mitaufnehmen.

  • #12

    Jojo (Samstag, 04 September 2010 20:11)

    Hallo ;)
    Ich bin 12 und habe bereits 2 "Teenager-Romane" angefangen aber ich komme nie dazu sie weiter zu schreiben. Wenn ich mal am PC bin, habe ich nicht wirklich Lust, zu schreiben. Was kann ich dagegen tun?

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