Sa
18
Jul
2009
Dieser Blogartikel wurde am 29.12.2010 von mir überarbeitet und verbessert, zur Version 2.0 von "Gute Dialoge schreiben"
Kein gelungenes episches Werk (Epik=Erzählende Literatur) kommt ohne Gespräche zwischen den Figuren aus, denn Dialoge und wörtliche Rede machen Geschichten lebendig.
Damit dir diese Passagen richtig gut gelingen, gibt es jedoch einiges zu beachten.
Was gar nicht geht, ist der Chat-Stil, am besten noch mit Ergänzungen/Regieanweisungen in Sternchen!
Beispiel:
Richy: Wow! *staun*
Das, oder womöglich sogar Smilies, haben in Erzählungen/Epik nichts verloren!
Außerdem muss eine wörtliche Rede immer im Präsens (Gegenwart) verfasst und mit Anführungszeichen (eines unten, eines oben) gekennzeichnet werden.
Beispiel:
Christa war weniger begeistert: „Ja, ganz toll, diese Kastelrutherspatzen-Sadomaso-Lederweste... Ich muss noch Futter für meinen Hund kaufen.“
Verändere während des Dialogs häufig die Stellung des halben Satzes, der zur wörtlichen Rede gehört (=Redeeinführung) .
Du kannst ihn zuerst schreiben, einen Doppelpunkt setzen und dann anführen, was gesagt wird, so wie bei dem letzten Beispiel.
Es geht aber auch:
„Ja, ganz toll, diese Kastelrutherspatzen-Sadomaso-Lederweste...", war Christa weniger begeistert, "Ich muss noch Futter für meinen Hund kaufen.“
oder
„Ja, ganz toll, diese Kastelrutherspatzen-Sadomaso-Lederweste... Ich muss noch Futter für meinen Hund kaufen“, war Christa weniger begeistert.
Wichtig sind das Komma nach dem zweiten Anführungszeichen und dass es dann klein weiter geht. Folgt noch ein Teil wörtliche Rede, beginnt dieser groß.
Wenn aus dem Kontext klar ersichtlich ist, wer spricht, kannst du dir den halben Satz vor dem Doppelpunkt oder nach dem/zwischen den Komma/s auch sparen.
Wichtig ist, dass du zwischen den verschiedenen Möglichkeiten variierst, damit es nicht monoton klingt.
Benutze außerdem am besten niemals die Wörter sagen/sagte oder sprechen/sprach! Ich habe in meinem "Wie du deinen Schreibstil verbessern kannst"-Blogartikel schon erklärt, dass es tausende treffendere Wörter gibt.
Nur eine kleine Auswahl: Brüllte, flüsterte, gestand, offenbarte, erklärte, keuchte, jammerte, frohlockte, weinte, lachte...
Du musst in Verbindung mit der wörtlichen Rede auch gar nicht erwähnen, dass da jemand etwas von sich gibt, das erklärst du dem Leser ja auch schon allein durch die Anführungsstriche.
Beispiel:
Anke kletterte aus dem Schwimmbecken: „Jetzt hab ich Lust auf Pommes.“
„Bring mir auch welche mit“, ließ Birgit sich weiter in der Sonne brutzeln, „Danke, Anke!“
Gedanken werden ebenfalls mit wörtlicher Rede ausgedrückt, als innerer Monolog. Hier nicht allzu oft die Wörter denken/dachte und überlegen/überlegte benutzen.
Ein paar Alternativen: Rügte er sich insgeheim selbst, durchsuchte er seinen Schädel, machte er sich verrückt, triumphierte er innerlich...
Kombinierst du in einer Geschichte oft Gesprochenes und Gedachtes, findet beides gleichzeitig statt, ist es nützlich, schon von Anfang an die Gedanken anders zu kennzeichnen als das Gesagte.
Beispiel:
„Aber gerne doch“, lächelte Anke schief, //So eine faule Socke!//
Oder lass die Personen denken, was sie niemals sagen würden, dann ist es auch logisch.
Zudem sind Gedanken auch dadurch gekennzeichnet, dass derjenige, über den sie sind, nicht direkt angesprochen werden muss (So ein/e, Diese/r; nicht Du/Sie).
Beispiel:
„Diese verdammte, blöde Kuh, ich hoffe, sie kriegt einen fiesen Sonnenbrand!“, stampfte Anke vor zum Kiosk.
Verrate zwischen den Anführungszeichen bei wörtlicher Rede oder innerem Monolog auch etwas über den individuellen Charakter deiner Figuren.
Der eine plaudert/denkt vielleicht allgemein umgangssprachlich, der andere sehr hochgeschwollen, der eine ist fast immer humorvoll, der andere pessimistisch.
Die wörtliche Rede kann auch ohne Probleme Wortwiederholungen, falsche Grammatik, verkehrten Satzbau usw. enthalten, wenn du damit die Dummheit, Unbeholfenheit, Verwirrtheit oder Nervosität einer Figur zeigen willst.
Auch "Wörter" wie Ahh, Urgh, Oh, Menno... kannst und solltest du, wenn es passt, einbringen.
Ich persönlich verwende die wörtliche Rede auch sehr gerne, um Witz in meine Geschichten zu bringen.
Beispiel:
„Wie fandest du... du weißt schon?“, fragte er zaghaft.
Ich grinste breit: „Oh, ich finde riesig, anbetungswürdig trifft es ganz gut!“
„ICH MEINTE DIE NACHT!“, lief er knallrot an.
Ich krümmte mich vor Lachen und trommelte mit der Faust auf die Matratze.
„Du hast sie echt nicht mehr alle!“, ächzte mein Schatz verlegen.
Also dann, noch viel Spaß beim Ausprobieren der hoffentlich hilfreichen Tipps!
Hm. Den Tipp mit den verschiedenen Verben, um die wörtliche Rede einzuleiten, kann ich genau zu unterschreiben. Das ist eine Sache, die mich häufig bei Geschichten (und auch gedruckten Büchern)
stört. Du hast auch auf jeden Fall Recht damit, dass der Dialog das A und O ist.
Allerdings habe ich auch einige Anmerkungen. Es fängt schon ganz zu Beginn an. Du schreibst: >„Ja, ganz toll, diese Kastelrutherspatzen-Sadomaso-Lederweste... Ich muss noch Futter für meinen Hund
kaufen,“ war Christa weniger begeistert.< Meiner Meinung nach funktioniert das so nicht - oder klingt zumindest sehr holprig. Wenn du unbedingt "weniger begeistert sein" verwenden möchtest, würde
ich zu dieser Konstruktion raten: <"IIch muss noch Futter für meinen Hund kaufen." Christa war weniger begeistert.< Ansonsten könntest du auch einfach "wenig begeistert feststellen" etc.
verwenden.
Generell verwendest du Verben für die Einleitung der wörtlichen Rede, die man schlichtweg nicht verwenden kann. Wie will jemand Worte "knallrot anlaufen"? Das ist sinnfrei. Man kann Worte sagen,
schreien, brüllen, feststellen, bemerken, flüstern etc. - aber: grinsen und rotanlaufen, weniger begeistert sein?
Auch deine Zeichensetzung muss ich leider kritisieren. Du schreibst: "Text," sagte sie. Autsch. Richtig: "Text", sagte sie.
Gedanken im Text mit // abzugrenzen, würde ich definitiv niemandem raten. Das stört den Lesefluss erheblich und sieht außerdem ein wenig stümperhaft aus. Lieber einfach in Fließtext einbauen.
Um dein Beispiel zu verwenden: >„Aber gerne doch,“ lächelte Anke schief, //So eine faule Socke!//< "aber gerne doch." > Anke lächelte schief, obwohl sie ihm am liebsten eine gelangt hätte.
So eine faule Socke!<
Lieben Gruß
Souhnie
Hallo Souhnie, danke, dass du dir die Zeit für einen Kommentar genommen hast.
Ich hab deine einzelnen Kritikpunkte gründlich überprüft.
Mit den Kommas hattest du Recht, irgendwie steht überall, dass die NACH dem " gesetzt werden müssen.
Hat mich echt überrascht.
Dann hat man mir das wohl irgendwann in der Grundschule falsch beigebracht, oder beide Formen sind korrekt.
Auf jeden Fall korrekt: "Das war ein schöner Tag," freute sich Judith.
(vergl. http://digitale-schule-bayern.de/dsdaten/11/51.pdf, Seite 3)
Und wenn man "freuen" verwenden kann, dann geht auch "rot anlaufen" und alles andere, was ich im Artikel genannt habe.
Die Gedanken mit // zu kennzeichnen habe ich für den Fall empfohlen, dass man häufig Gedanken und Gesprochenes miteinander in Kontakt bringt.
Kommt das nicht oder nur selten vor, erachte ich es auch als sinnvoller, für beides die üblichen Anführungsstriche und evtl. unterschiedliche Konstruktionen zu verwenden.
Bezüglich der Kommasetzung hab ich den Artikel bereits umgeändert.
Dir auch liebe Grüße,
Gaby
ich persönlich finde diesen artikel sehr hilfreich!
dankeschön! :)
Dir danke für das Lob! Lg
Ich muss mich aber doch mal Souhnie anschließen. Sätze wie >„ICH MEINTE DIE NACHT!“, lief er knallrot an.< funktionieren einfach nicht.
Naürlich hast du recht wenn du sagst, dass es mit "freuen" beispielsweise auch geht. Es geht auch mit "lachen", "weinen" und einigen anderen Verben. Man kann etwas lachend sagen, weinend sagen, aber
man kann es nicht stampfend sagen. Und bei zusammengesetzten Verben wie "knallrot anlaufen" funktioniert das genausowenig.
Was ich auch nicht unbedingt für richtig halte ist dein Umgang mit dem Wort "sagte". Die benutzung halte ich für durchaus angebracht und korrekt.
Wenn man schon etwas derartiges schreiben muss um die Situation zu erklären, dann sollte man sich an die einfachen Verben wie eben beispielsweise "sagen" halten. Alles andere, speziell die Stimmung,
sollte eher durch den Dialog und das Drumherum geklärt werden. Ausgeschmückte Verben sind eher nachteilig und klingen schnell kitschig.
Viele Grüße
Elliris
Ich stimme Ellris zu. "Sagte"-Platzhalter sind kitschig. Tatsächlich ist das Wort "sagte" ziemlich unauffällig und fügt sich gut in den Text ein, auch wenn es oft wiederholt wird. Es ist dann wie
"der", "die", "das", "und", "aber" und all die anderen kleinen Wörter, die wir immer wieder benutzen, ohne dass uns das als Wiederholung vorkommt.
Ständige Variationen von "sagte" ziehen die Aufmerksamkeit des Lesers weg vom Dialoginhalt. Ein guter Dialog ist selbsterklärend und braucht keine Tags. Am besten, man bemüht sich um möglichst
aussagekräftige Dialoge und lässt aus dem Zusammenhang hervorgehen, wer gerade spricht. Muss man einen Satz einer Figur zuordnen, verwendet man "sagte" oder "fragte", ganz selten "flüsterte", "rief"
oder "schrie" wenn es passt und nicht anders geht. Betrachtet folgenden Dialog:
"Hanna! Wie schön, dass du da bist", freute sich Erich.
"Ach! Das sagst du doch nur so", schmollte Hanna.
"Nein, wirklich, ich bin so glücklich, dich zu sehen, dass kannst du dir gar nicht vorstellen", strahlte Erich.
"Ach komm! Du!", errötete Hanna.
"Hey!", stieß Erich hervor. "Hab ich dir schon die Aussicht von meinem Balkon gezeigt? Das musst du unbedingt sehen!"
"Ach ich weiß nicht", zögerte Hanna. "Ist es nicht ein bisschen kalt?"
"Nein überhaupt nicht. Du wirst es lieben", versicherte Erich.
"Also gut. Aber nur, damit du endlich Ruhe gibst", gab Hanna nach.
"Champagner?", offerierte Erich.
"Ja gerne", freute sich Hanna. "Hey!"
"Was denn?", verstellte sich Erich.
"Finger weg!", forderte Hanna.
"Ich hab doch gar nichts gemacht!", rief Erich aus.
usw.
Und jetzt dasselbe nochmal:
Erich empfing sie mit einem strahlenden Lächeln in der Tür.
"Hanna! Wie schön, dass du da bist."
"Ach! Das sagst du doch nur so."
"Nein, wirklich, ich bin so glücklich, dich zu sehen, dass kannst du dir gar nicht vorstellen."
"Ach komm! Du!" Hanna errötete. Erich nahm ihr den Mantel ab und führte sie ins Wohnzimmer.
"Hey! Hab ich dir schon die Aussicht von meinem Balkon gezeigt?", fragte er. "Das musst du unbedingt sehen!"
"Ach ich weiß nicht. Ist es nicht ein bisschen kalt?"
"Nein überhaupt nicht. Du wirst es lieben."
"Also gut. Aber nur, damit du endlich Ruhe gibst." Sie gingen auf den Balkon.
"Champagner?", fragte Erich.
"Ja gerne." Er schenkte ihr ein Glas ein und reichte es ihr. Dabei berührten er mit einem Finger unabsichtlich ihre Hand. Hanna zuckte zusammen und rückte sofort von ihm ab.
"Hey!"
"Was denn?"
"Finger weg!"
"Ich hab doch gar nichts gemacht!"
sorry, aber den eintrag fand ich nun gar nicht hilfreich. das sind eher die grundlagen eines dialoges, die man von anfang an lernt, sobald man in der schule anfängt aufsätze zu schreiben. und nur die grundlagen machen einen dialog noch lange nicht gut.
Hallo liebe Rike,
das stimmt, hier handelt es sich eher um die Grundlagen. Sorry, wenn du etwas anderes erwartet hast. Ich habe leider festgestellt, das manche Hobby-Schreiber diese Regeln teilweise nicht kennen oder
nicht beachten.
Es ist aber eine gute Idee, darüber hinaus noch ein paar Hinweise zu geben. Ich werds mir mal durch den Kopf gehen lassen.
Danke für deinen Kommentar und einen schönen Tag!
Ich fande diesen eintrag sehr hilfreich!! :) vorallem weil ich morgen noch ein Dialog schreiben muss und ich tips gesucht habe! echt top! (Y)
