Sa

19

Sep

2009

Interview mit Alice Hive

Ich kenne Anna alias Alice Hive schon mindestens sechs Jahre. Wir haben uns beim Busfahren kennengelernt und schnell gemerkt, dass wir ähnliche Interessen (und folglich auch Probleme XD ) haben.

Mal abgesehen von Parallelen in unseren unerfüllten Jugendlieben verbindet uns die Kreativität.

Anna schreibt ebenso wie ich Gedichte und auch Prosa, aber noch viel häufiger macht sie Songs (für Letzteres bin ich leider zu unmusikalisch).

Letzten Monat hat sie unter dem Projekttitel SHATTENTAK ihr erstes Album rausgebracht: Spurlos.

Es klingt nach Elektro/Pop, ein bisschen wie "Wir sind Helden".

 

Hier das Album anhören und downloaden (auch kostenlos möglich)

 

Natürlich habe ich es auch live genossen, am 06.08. im SoundnArts Bamberg war das Releasekonzert.

YouTube-Video

Falls es jemanden interessiert: Meine Lieblingstracks sind "Spurlos" und "Point of no return".

Und dann war Anna so freundlich, mir ein paar Interviewfragen für meinen Blog zu beantworten:

 

Wie kamst du auf den Künstlernamen Alice Hive?

Der Name ist eine Referenz zu den Resident Evil Filmen. Die Hauptperson der Filme heißt „Alice“, der Untergrundkomplex, in dem der T-Virus ausbricht (und alle zu Zombies macht), heißt „Hive“. Der Name „Alice“ in Resident Evil ist in sich aber noch mal eine Referenz zu „Alice im Wunderland“. Ich weiß nicht mehr genau, wie ich auf den Namen gekommen bin, aber er gefiel mir auf Anhieb.

 

Stimmt, jetzt wo dus sagst, kommen mir "Alice" und "Hive" bekannt vor ; )

Wenn du ein neues Lied schreibst, hast du dann zuerst den Text oder die Melodie im Kopf?

Allgemein schreibe ich mehr Musik. Deswegen fängt es meistens mit der Musik an. Oft entwickelt sich aber der Text fast gleichzeitig mit dazu. Früher habe ich, wenn ich englische Songs geschrieben habe, oft mit dem Text begonnen, weil ich mit der Sprache noch nicht ganz so versiert war und folglich weniger flexibel. Mittlerweile hat sich das geändert.

 

Welcher Song bedeutet dir am meisten und warum?

Textlich bedeutet mir wohl Spurlos am meisten. Er basiert auf einem wahren Ereignis in meinem Leben. Ich hab diesem Song extra viel Raum auf dem Album gegeben, um die Emotionen gut transportieren zu können.

Entstehungsgeschichtlich und musikalisch ist mir Point Of No Return sehr wichtig. Das ist einer der beliebtesten Songs  und die Melodie, die den Song ausmacht, war auf einmal in meinem Kopf. 0% Überlegung, 100% Inspiration. Wenn solche grandiosen Musikstücke scheinbar aus dem Nichts in meinem Kopf auftauchen, brauche ich mir um meine künstlerische Zukunft keine Sorgen zu machen.

 

Wie lange hast du an deinem ersten Album gearbeitet?

Bis das Songwriting fertig war, hat es ungefähr ein halbes Jahr gedauert. Recording, Mixing und Mastering haben dann nochmal ein dreiviertel Jahr verschlungen, was vor allem damit zu tun hatte, das ich selbst nicht im Besitz der Technik bin, sondern immer auf andere angewiesen war. Ansonsten hätten drei, vier Monate dafür bestimmt ausgereicht.

 

Auf welche Probleme bist du während der Entstehung des Albums gestoßen und wie hast du sie gemeistert?

Die meisten Probleme waren technischer Art. Zum Beispiel mussten wir einige Sachen öfters als ein Dutzend Mal aufnehmen, weil wir Probleme mit „Mundnebengeräuschen“ hatten. Das heißt, wenn ich ein „n“ gesungen habe, hat man auch das Geräusch gehört, wie meine Zunge an den Gaumen anschlägt. Letztlich haben wir’s so oft aufgenommen, bis wir Aufnahmen hatten, bei denen diese Geräusche einigermaßen minimiert waren.

Dass der Recording/Mixing/Mastering-Prozess so lange gedauert hat, ist mir echt an die Nerven gegangen. Irgendwie muss man aber trotzdem weitermachen. Ich hab die Zeit genutzt und eine Menge gebloggt.

 

Was war der lustigste/schrägste/spektakulärste Kommentar zu deinem Album?

An solche besonderen Kommentare kann ich mich nicht erinnern, aber ich find’s immer lustig, welche Leute welche Songs am besten finden. Manche stehen auf die düsteren Tracks, andere auf die rockigeren, andere auf die ruhigen... Für jeden ist was dabei.


Was war das schönste Lob, das man dir dafür gemacht hat?

Das schönste Lob sind die Menschen, die anfangen zu weinen oder rumzuspringen und mitzusingen. Nonverbale Kommunikation spricht oft Bände.

 

Was machst du gegen/bei Lampenfieber?

Ich hab eigentlich nie großartiges Lampenfieber. Wenn überhaupt, dann äußert es sich meistens nur physisch (zitternde Hände und Beine).

Ich fühle mich auf der Bühne einfach sehr wohl. Ich stehe hinter dem was ich mache und wenn ich etwas falsch mache, so what? Ich kann doch so viel falsch machen, wie ich will!

 

Wow, beneidenswertes Selbstbewusstsein! Hast du vielleicht noch Tipps zum Umgang mit Kritik?

Destruktive Kritik (Pauschalisierungen; „hört sich scheiße an“, „lass es lieber“) einfach ignorieren. Solche Kritik verdient nicht mal deinen Mittelfinger.

Wenn du konstruktive Kritik erhältst, sieh es einfach nicht als Kritik, sondern als Anregung. Formuliere negative Kritik positiv um: Dass jemand deine Songs „zu gleichförmig“ findet, heißt im Grunde, dass er „mehr Abwechslung“ will.

Wenn jemand deine Texte „zu direkt“ findet, könntest du mal ausprobieren, einen „indirekteren“ Text zu schreiben.

Probier, den ein oder anderen Vorschlag umzusetzen und sieh, was dabei rauskommt. Möglicherweise verbesserst du dein Werk dadurch; möglicherweise macht es keinen Unterschied.

Vergiss nicht: Kritik, egal welcher Art, ist auch nur eine Meinung und hat damit absolut nichts mit einer „objektiven Wahrheit“ zu tun, die es sowieso nicht gibt.

 

Wie reagier(t)en Freunde und Familie auf deine Zukunftspläne?

Mit abgrundtiefem Skeptizismus und jubelnder Begeisterung. Ich nehme mir seitdem die Freiheit nur noch mit letzteren über meine Projekte zu reden. Wenn Freunde gleichzeitig Fans sind, ist das unglaublich bestärkend.

 

Was ist für dich das Schönste am Musikerdasein?

Die Vielfältigkeit des Berufs. Einerseits ganz in Ruhe an seinem Schreibtisch oder auf einer Bank im Freien sitzen und an ein paar Zeilen feilen oder eine Melodie erfinden, andererseits auf der Bühne die Sau rauslassen. Ich bin sehr vielfältig und könnte nicht nur eine Sache machen – da kommt mir das sehr gelegen. Ach ja: Ich liebe das Musikerdasein auch, wenn ich Interviews geben darf. ;)

Und hier für alle, die sich ausschließlich für Literatur interessieren und sich bisher zu Tode gelangweilt haben, noch eins meiner Lieblingsgedichte von Anna:

 

Ohnmacht

 

Umhüllt von Gebirge bei Schwärze und Nacht,
Spürt meine einsame Seele die Macht
Der eisigen Kälte, von Feuer entfacht,
Während sie leise das Liebste bewacht.

 

Verlockt durch das Schweigen der dunklen Ohnmacht
Ist mein Traum, der nie zu Ende gebracht,
In glühender Sehnsucht von neuem erwacht,
Malt rote Streifen ins Antlitz der Nacht.

 

Schwerelos land ich dann wieder im Nichts,
Und lange nachdem ich schon aufgewacht,
Lieg ich im Strom eines schwarzroten Lichts
Und wache noch lang in der traumlosen Nacht.

 

Noch mehr von Alice Hive gibts hier auf ihrer Homepage.

 

Nochmal danke Anna, für das Interview und für die vielen wertvollen und motivierenden Tipps, die du mir immer gibst : )

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1 Kommentar

  • #1

    Fabian L. (Mittwoch, 18 November 2009 15:46)

    Wirklich spannend und sehr interessant zu lesen, vielen Dank für das Interview! :)

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