Sa
07
Nov
2009
Was man sich als Schriftsteller nicht alles anhören muss...
Hier eine kleine Liste von Kommentaren, mit welchen man als (Hobby-)Schriftsteller/in höchstwahrscheinlich konfrontiert wird.
Soll der allgemeinen Erheiterung dienen, andere Schreibende mittels Beistand beruhigen und - das wäre supertoll - die Abgeber solcher Sprüche dazu bewegen, sich besseren Redestoff auszudenken.
Spruch Nr. 1 ist einer der am weitesten verbreiteten: "Dich nimmt doch nie ein Verlag!"
Also mal abgesehen davon, dass es in der Realität Verleger gibt, die jeden nehmen (Schlagwort DKZV), ist dieser Spruch daher dumm, dass es einem Schriftsteller oft gar nicht so wichtig ist, publiziert zu werden, Kafka zum Beispiel hatte dies nie beabsichtigt.
Spruch Nr. 2 knüpft hier wunderbar an: "Damit verdienst du doch nie was!"
Es geht auch nicht nur ums Geld. Man schreibt in erster Linie aus Spaß an der Freude - oder man schreibt schlecht. Wenn man natürlich trotzdem irgendwann die Möglichkeit bekommt, mit dem Schreiben Geld zu verdienen, ist das fantastisch!
Spruch Nr.3 und Spruch Nr.4 erläutere ich zusammen: "Geh lieber mit Saufen anstatt zu Schreiben!" und "Schreiben ist dir wichtiger als ich!"
Ja, hm, wann soll man ungestört schreiben können, wenn nicht am Abend? Beim Saufen kommt bestenfalls ein Kater raus, beim Schreiben ein Kunstwerk, oder ein weiteres Puzzleteil davon.
Natürlich soll man seine Freundschaften pflegen. Wenn es denn richtige Freundschaften sind. Die Sprüche 3 und 4 klingen verdammt egoistisch.
Spruch Nr.5 hingegen soll uns fürsorglich warnen: "Du bist PC-süchtig!"
Als Schriftsteller sitzt man nun mal viel vorm Computer. So wie der Pianist am Klavier hockt und der Angler am Teich. Klar könnte der Autor auch alles handschriftlich machen. Aber da wäre er ein ziemlich dummer Autor, weil er sowieso irgendwann alles abtippen wird und die Korrekturen an seinen Werken das hübsche weiße Blatt verschandeln würden.
Obwohl, einen Vorteil hätte es, würde man alles mit der Hand schreiben: Es wäre schwerer lesbar, was dann die weitere Verwendung von werkbezogenen dummen Sprüchen sabotieren würde.
Paradebeispiel für diese Kategorie: Die schrecklichen Vermutungen: "Die Verse hast du doch zusammengeklaut!" und "Die Idee hast du doch von da und da übernommen!"
Nein, liebe Leute, meine Gedichte sind nicht zusammengeklaut. Aber es freut mich, wenn sie euch so beeindrucken, dass ihr berühmtere Autoren für ihre Urheber haltet.
Ideen-Übernehmen? Das nennt sich "sich inspirieren lassen".
Passiert übrigens manchmal auch ganz unabsichtlich, dass sich zwei Ideen ähneln.
Absichtlich eine Idee 1 zu 1 übernehmen? Für diesen Fall würde der Spruch "Damit verdienst du doch nie was!" wirklich zutreffen, denn wer kauft was, das er schon gelesen hat?
So was machen wir dann also höchstens zum Spaß und ohne bösen Hintergedanken, zum Beispiel beim Schreiben von Fanfictions.
Weiter gehts mit Spruch Nr.8: "Naja, jeder braucht halt irgendein Hobby."
Das Ätzende an diesem Satz ist, dass er so abwertend klingt.
Schreiben ist nicht einfach irgendwas, das man halt ausübt, weil man irgendwie die Zeit zwischen Geburt und Tod rumkriegen muss.
Für einen Schriftsteller ist es viel mehr, Lebensart, Berufung, Kunst...
Wobei das Schreiben natürlich auch eine gute Wahl wäre, würde man nach irgendeinem Hobby suchen. Es kostet nämlich nichts.
Nicht weniger nervig: Spruch Nr.9: "Ich erzähl dir mal meine Lebensgeschichte/die meines Kindes, da kannst du ein tolles Buch draus machen!"
Was denkt man sich da als Autor? Richtig: "Machs doch selber!"
Wir wollen unsere eigenen Ideen umsetzen, nicht die anderer Leute.
Welche dann übrigens andererseits wieder herumspekulieren, wo wir welche Idee herausgeklaut haben könnten, wie oben schon erläutert. Selber ausdenken können wir uns nämlich nix.
Außerdem geht es uns auf die Nerven, wenn wir auf aufdringliche Art und Weise Fortsetzungsideen für unsere Geschichten mitgeteilt bekommen. Bitte: Schreibt doch selbst!
Womit man als Schriftsteller auch oft konfrontiert wird, sind Sprüche und Aufzählungen der Kategorie 10, die uns aufzeigen sollen, was wir neben dem Schreiben alles nicht können.
Um etwas Besonderes zu werden, muss man an seinen Stärken arbeiten, nicht an seinen Schwächen!
Aber bei eingebildeten und arroganten Autoren darf man solche Sprüche schon bringen. Bei allen anderen, und die sind die Masse, kommt es jedoch einfach nur blöd.
Fast genauso blöd wie Veralberungen diverser Werkpassagen, womit wir bei Punkt 11 wären. Gut, ich bin auch ein Fan von Wortspielen und schwarzem Humor. Aber die sollten sich auf ein oder zwei in der Stunde beschränken, wenn sie auf mich bezogen sind. Oder zum Besten gegeben werden, wenn ich nicht dabei bin. Und nicht x-mal hintereinander geäußert werden, weil sie ja solche Mörder-Brüller sind.
Punkt Nr.12 lässt sich zerlegen in 2x6. Soll heißen: Sex zählt doppelt.
Ich denke da an folgenden Spruch: "WAS? Du schreibst auch noch was Anderes als Erotik?! Dachte, du wärst so die typische Porno-Schreiberin!"
Bisher wurde eine erotische Kurzgeschichte von mir gedruckt (in "Bester Sex") und wesentlich mehr non-Erotik. Aber steckt mich ruhig in Schubladen, Leute, dann findet ihr mich wenigstens wieder bzw. erinnert euch an mich.
Aber alle diese Sätze kommen nicht an Spruch Nr.13 heran: "Du willst das nur deshalb veröffentlichen, um dich zu rächen / dich in den Mittelpunkt zu stellen." Und sowas hört man ausgerechnet von solchen Menschen, von denen man gedacht hat, sie würden einen gut kennen.
Oh, wie genau oberflächliche Menschen doch die tiefsten und dunklen Abgründe der Seele erkennen.
Ich will mich nicht rächen, ich will den Leuten nur die Tomaten von den Augen runternehmen. Und sie gut unterhalten.
Natürlich tut Anerkennung gut. Aber zu viel Trubel ist mir fast ein bisschen peinlich. Außerdem macht es die Leute neidisch, und dann muss man sich solche Sprüche anhören.
Die Frage: "Warum hast du nie was davon erzählt, dass du schreibst?" dürfte sich jetzt von selbst erklären.
Hast du auch schon solche Sätze gehört? Weitere? Dann schreib doch einen Kommentar!
2 Kommentare
-
#1
Haha! Geil! Viele der Sprüche wurden auch mir schon ins Gesicht geschmissen. Meine Augen sind schon lose vom ganzen Rollen.
-
#2
Als ich diesem Link über Twitter folgte, dachte ich bei den ersten Zeilen, ein Quietschkommi-Süchtling versuche sich an der Welt zu rächen...
Das Gegenteil ist der Fall. Ein nicht ganz objektiver, aber witziger Artikel ist entstanden, den auch jemand wie ich, der noch nichts von Dir gelesen hat, inspirierend findet. Besser noch: Er kann für sich selbst stehen und vielleicht dem einen oder anderen das Leben erleichtern, ohne das hoffnungslose Talente ihr Hobby aufgeben oder hoffnungsvolle Talente eben selbiges durch dieses Schreiber-Mobbing in die nächste Mülltonne werfen.
Danke dafür. Ich twittere das weiter. ^^
Ach, das gehört jetzt nicht unbedingt hierher, aber diese kleine Geschichte spukt mir im Kopf herum, seit ich die erste Zeile gelesen habe. Es passt ebenfalls irgendwie sehr gut zum Thema.
Eine englische Lady hält regelmäßig Literaturabende mit vielen Gästen ab. An einem Tag bittet sie einen von ihr geschätzten Autoren dazu. Sie diskutieren über sein neues Werk, und die Lady geht scharf mit ihm ins Gericht.
Darauf der Autor: "Wie können Sie das beurteilen? Sie schreiben doch selbst gar nicht!"
Darauf die Lady: "Nun, ich lege auch keine Eier, und trotzdem verstehe ich mehr von Ommelettes als jedes Huhn im Königreich."
Unser Fazit: Kritik ist Klasse, wenn der Kritiker weiß wovon er spricht.
Gruß
Ace 