Gebrochen

Ich weiß, es ist verkehrt.
Ich weiß, es macht mich krank.
Doch ich fühle es immer noch, nach all der Zeit, nach all der Sehnsucht und Einsamkeit.
Sie ist immer noch da, meine Liebe zu dir.
Sie ist so unvergänglich wie meine Seele.
Unsterblichkeit ist nichts Schönes, nicht für mich.
Für mich bedeutet sie grenzenlosen Schmerz.

Dich zu lieben war schön, doch in letzter Zeit viel öfter nicht.
Dich zu lieben zeigt mir noch, dass ich lebe.
Dich zu lieben zeigt mir noch etwas Starkes an mir.
Ich habe Vieles großzügig in Kauf genommen für diese Empfindung, doch meinen eigenen Untergang kann ich nicht zulassen.
Ich will aber auch nicht loslassen, was mich so lange getragen hat, was mir so viel Glück gebracht hat.
Nur noch einmal will ich darin baden, nur noch einmal die Macht erfahren, die meiner Brust inne wohnt, bevor ich sie vertreibe oder wegsprerre, falls Ersteres nicht funktioniert.

Und ich denke dich her, vergöttere meine eigene Illusion und tauche durch den Schleier aus Tränen ein in meine Traumwelt.
Abgenutzt, wie sie ist, taugt nur ein ganz klein wenig als Ersatz.
Doch vertraut, wie sie mir ist, erinnert mich an mich selbst.
Traurigkeit blockiert meine Fantasie und meine Standartträume geben nicht mehr viel Glücksgefühl her.
Dennoch ist es ein schöner Kontrast zur kalten und blinden Welt, in der ich gefangen bin.

Wieder wickelst du mich ein, schließt mich in deine Arme und lässt mich vergessen.
Ich genieße es und öffne mich noch mehr für dich, liefere mich aus, als Trugbild kannst du mich so schnell nicht zerstören.
Ich zerstöre mich selbst, indem ich so stur bin, indem ich nicht aufgebe, indem ich dich weiter lieben will.
Ich will nicht wahrhaben, was wahr ist.

An die Realität muss ich jetzt auch nicht denken, ich kann sie ausblenden, ganz leicht, mit deinem Gesicht, deinem Lächeln vor Augen.
Dann ist da wieder Wärme, die meine äußere Hülle durchströmt und mein Herz umgarnt, während es fanatisch weiter vor sich hin pumpt, Blut durch den schwachen Leib mit dem schwachen Kopf jagt.

In diesem Moment rieche ich wirklich deinen Duft und höre deine Stimme in meinem Ohr widerhallen. Beides ist so einzigartig faszinierend, alles an dir ist die pure Versuchung.
Wohlbehagen macht sich in mir breit und drängt den Schmerz in die hinterste Ecke meines Seins.
Mein Engel...
Ich schmiege meinen Kopf gegen deinen Brustkorb, der sich beruhigend hebt und senkt, lege den Arm um dich und wünschte, in dich hinein krabbeln zu können, für immer bei dir sein zu können, für immer dein sein zu können.
„Aber das kannst du doch“, murmelst du in meinem Herzen.
Und ich muss nur das Kinn ein klein wenig anheben und du küsst mich, ganz zart, als wäre ich so kostbar für dich, wie wie du für mich.
Vorsichtig teilst du meine Lippen mit deiner Zunge und ich kann es nicht erwarten, dass du fordernd und besitzergreifend wirst, drücke mich fest gegen dich und du hältst mich fest, als könnte ich mich als Fata Morgana entpuppen und in dunklen Rauch auflösen.
Langsam lässt du dich provozieren und gibst mir, was ich will: Forsch, leidenschaftlich und von Liebe erfüllt nimmst du mich ein und ich öffne den Mund, so weit es nur geht.
Deine starken, sanften Hände fahren fahrig durch mein Haar, packen mich im Nacken, während du weiter brav mit meiner Zunge spielst.
Deine blanke Haut auf meiner läd mich auf mit Glück und Verlangen, die sich wie Rauschmittel in meinem Leib verteilen.
Es tut so gut. Du tust so gut.
Deine Hände streicheln langsam meinen Rücken hinab, versprechen, mir zu geben, was ich will, und ich gebe mich dir vollkommen hin.
Heile mich, mach mich wieder gesund, wasch meine Seele rein.
Meine Hände weisen dir den Weg und noch einmal, nur noch einmal, sollst du mich entführen in eine bessere Welt.
Überall, überall sollst du sein, um mich herum und in mir und überall.
Hier und jetzt kannst du nicht widerstehen.
Hier und jetzt kann ich dich haben, auf dieser zuckersüßen Wattewolke.
Bohr dich noch einmal, ein letztes Mal, in mich hinein, lass mich genießen, was ich empfinde.
Verschmilz mit mir und erfülle mich, erfülle meine Bestimmung.
Stille meine Lust nach dir für eine kleine Ewigkeit, es ist ganz leicht für dich...
Jede einzelne Faser deines Seins macht mir verrückt und es ist wundervoll.
Es ist so befriedigend, dich zu spüren und ich bekomme noch mehr, viel mehr...
Hör nicht auf, hör niemals auf...
Du bist erschütternd schön, schauervoll, scharf, mein Atem geht schwer, vermischt sich mit seligem Stöhnen.
Mein Körper erzittert allmählich unter dir, bäumt sich auf und endlich ist es so weit, die Sterne tanzen vor meinen Augen und ich werde ins Himmelreich hochkatapultiert.

Doch nicht für lange. Und der Flug öffnet mir die Augen.
Erschöpft liege ich auf dem Laken, allein.
Wieder allein, wie immer allein.
Wieder habe ich mich selbst getäuscht, wieder in Folge dessen auch enttäuscht.
Wieder habe ich mir gezeigt, was mir fehlt.

Doch an dich zu denken, erscheint mir sehr sinnvoll.
Minuten, die dir gewidmet sind, erscheinen mir unermesslich wertvoll.
Was soll ich tun mit meiner Zeit, was soll ich anfangen mit meinem Leben, wenn ich es nicht für dich leben kann?
Niemand kann dich ersetzen.
Niemand ist wie du.
Niemand kann dich mehr lieben als ich.
Akzeptiere meine Aufgabe. Lass mich dich glücklich machen.

Ich will hören, was du nicht zu mir sagst.
Ich will wissen und nicht ausgehungert werden.

Ich habe mich selbst verloren in den dunklen Tiefen meiner Zuneigung.
Hilf mir.
Hilf mir zurück auf den richtigen Weg.
Du hast die nötige Macht über mich.
Ich nicht.
Immer wieder kann ich mich nicht gegen dich, gegen mich selbst, gegen den Traum von einem „wir“ wehren.
Immer wieder verfalle ich meinem eigenen Blendwerk.
Immer wieder gehe ich in instabilen, bunten Seifenblasen auf die Reise.
Zieh meine Illusionen in die Wirklichkeit oder verschließe diesen süß-sauren Sog für immer!
Aber tue etwas!
Zeig mir, dass ich noch sichtbar bin, noch in dieser Welt bin.
Sähe neues Leben in mir, lass mein Herz kräftig schlagen, es genügt ein Satz.

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